Frühlingsfortbildung unserer Suchthilfe
veröffentlicht am 27.04.2026
Vergangenen Mittwoch hat die Frühlingsfortbildung unserer Suchthilfe stattgefunden. Rund 70 Gäste folgten der Einladung in die Bischöfliche Akademie in Aachen, um neue Erkenntnisse zum Thema Verhaltenssüchte zu sammeln und sich auszutauschen.
Unser Vorstand, Alexander Letzel, hat die Begrüßungsworte an die Gäste und Referierenden gehalten, die wir Ihnen hier gerne zur Verfügung stellen:
„Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Brand, liebe Frau Jelich, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr
geehrte Damen und Herren,
„Die Unterschiede zwischen Genuss und Sucht sind die Modi ihrer Verben: Man könnte aufhören, wenn man müsste. Bis man muss – und mehr kann.“
Meine Damen und Herren, dieses Zitat eines unbekannten Verfassers macht deutlich, wie eng Genuss und Sucht zusammenliegen. Wie die Grenzen zwischen normalem Verhalten und Sucht verschwimmen können.
- Wann hört Genuss auf, wann fängt die Sucht an?
- Bei täglichen Shoppingtouren im Netz oder schon bei monatlichen?
- Bei dem regelmäßigem Schauen von Pornografie am Freitagabend oder dem täglichen Anschauen?
- Beim regelmäßigem Lottospielen am Samstag oder bei Online-Wetten an jedem Bundesliga-Spieltag?
- Wie viele Stunden Social Media am Tag sind normal, ab wann kann man von Abhängigkeit sprechen?
- Und wieso wird man überhaupt abhängig?
- Merkt man das überhaupt? Und wenn ja, woran?
Diesen und weiteren Fragen im Kontext deutlich steigender Zahlen von abhängigen Menschen im Bereich der Verhaltenssüchte wollen wir uns am heutigen Tag stellen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Verhaltenssüchte sind ein hochaktuelles gesellschaftliches Thema. Nicht nur seit der Corona-Pandemie, die wie ein Brandbeschleuniger auf gesellschaftliche Herausforderungen auch im Bereich der Sucht und Abhängigkeit gewirkt hat, nehmen Verhaltenssüchte eine immer breitere Stellung im Bereich der Suchterkrankungen ein.
Wir als Caritas merken das daran, dass im Bereich der Prävention, der Beratung und auch der Behandlung die Themen Kaufsucht, Pornonutzungsstörung, Glücksspiel und Online-Wetten, aber auch das Thema der Social-Media-Nutzung und daraus resultierende Folgen wie Essstörungen und Störungen der Wahrnehmung des eigenen Körperbildes deutlich zunehmen. Dies betrifft nicht nur junge Menschen, sondern zunehmend alle Altersgruppen der Gesellschaft. Die Digitalisierung, und damit die ständige Verfügbarkeit der oben genannten Themen führt dabei zu neuen Konsumformen und niedrigschwelligem Zugang zum „Suchtmittel“. Normales Verhalten und Sucht verschwimmen, Grenzen lösen sich auf. Orientierung wird schwieriger, das Loskommen von der Sucht auch.
Die Suchthilfe der Caritas und Sie alle in Ihren Diensten und Einrichtungen wollen Betroffenen und deren Bezugspersonen Unterstützung bieten. Nicht erst dann, wenn das Kind sprichwörtlich bereits in den Brunnen gefallen ist, sondern auch schon im Vorfeld. Wir wollen sensibilisieren, beraten, Wege aus der Abhängigkeit aufzeigen und begleiten, aber auch die öffentliche Diskussion stärken. Dabei nehmen Sie, dabei nehmen wir neue Entwicklungen ernst, schauen genau hin und sind manchmal sogar Seismograph für ganz neue Formen der Sucht oder der Suchtmittel, lange bevor sie in das Licht der Öffentlichkeit treten.
Damit wir auch in Zukunft verlässlicher Partner in diesem Bereich sein können, treffen wir uns heute hier in der bischöflichen Akademie. „Wenn das Verhalten zur Sucht wird – Zwischen Lust, Konsum und Kontrolle“ ist der Titel der Frühjahrsfortbildung zum Thema Verhaltenssüchte.
Ich freue mich sehr, dass Sie so zahlreich und aus so unterschiedlichen Diensten, Einrichtungen, Arbeitsfeldern und Regionen nach Aachen gekommen sind. Damit beweisen Sie, dass es um einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen und auf die Themen Sucht und Abhängigkeit geht. Das eine Suchterkrankung Auswirkungen auf das gesamte Leben, auf alle Lebensbereiche hat. Und dass zu einem erfolgreichen Weg aus der Abhängigkeit gehört, arbeitsfeldübergreifende Netzwerke zu bilden und zu nutzen, um ganzheitlich unterstützen zu können und gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Hierzu dient auch der heutige Tag.
Ich lade Sie ein, sich zu vernetzen, in den fachlichen Dialog zu treten und neue Impulse für Ihre Arbeit mitzunehmen. Aus dem Austausch mit Kolleg*innen und Kollegen, aber auch aus wissenschaftlicher Perspektive, die wertvolle Impulse für die tägliche Praxis liefern kann. Hierzu bedanke ich mich besonders bei Prof. Dr. Matthias Brand von der Universität Duisburg-Essen, der heute den Impulsvortrag halten wird und, ich darf das sagen: DEM Experten für den Bereich der Verhaltenssüchte. Herzlich willkommen in Aachen.
Zudem darf ich mich herzlich beim Organisationsteam dieser wichtigen Fortbildung bedanken und auch bei allen Referent*innen des heutigen Tages, die Impulse für die Diskussion und den fachlichen Austausch liefern werden. Vielen Dank dafür.
Nicht zuletzt aber gebührt mein Dank Ihnen allen für Ihre Teilnahme an der Fortbildung.
„Die Unterschiede zwischen Genuss und Sucht sind die Modi ihrer Verben: Man könnte aufhören, wenn man müsste. Bis man muss – und mehr kann.“
Ich wünsche Ihnen allen einen erkenntnisreichen, gewinnbringenden Tag und viel Spaß
beim Austausch mit den Kolleg*innen.
Herzlichen Dank.“
Alexander Letzel, Vorstand
