Neue Ansätze der Caritas-Arbeit in Kirchengemeinden erprobt

veröffentlicht am 06.01.2020

Wie sieht die künftige Caritas-Arbeit in den Kirchengemeinden im Bistum Aachen aus? Das wollte der Caritasverband für das Bistum Aachen wissen und hat das Projekt „Caritas der Gemeinde“ in zwei Gemeinschaften der Gemeinden in Aachen und Mönchengladbach aufgelegt. Ein Ergebnis: Soziales Engagement stärkt die Glaubwürdigkeit von Kirche.

Drei Jahre lang haben zwei Projekt-Referenten des Caritasverbandes für das Bistum Aachen in den beiden Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) gearbeitet: Margit Umbach in der GdG Aachen-Kornelimünster/Roetgen und Friedhelm Siepmann in der GdG Rheydt-West. Sie arbeiteten eng mit den Ehrenamtlichen sowie mit den hauptberuflichen Mitarbeitern der GdG zusammen. In Aachen-Kornelimünster/Roetgen war es Pastoralreferent Patrick Wirges, in Rheydt-West Gemeindereferent Roland Weber.

Ziele des Projektes waren, in den veränderten Seelsorgeräumen Erkenntnisse zur Zukunftsfähigkeit der Caritasarbeit vor Ort zu gewinnen. Zudem sollte das Projekt die Hilfezugänge, die Menschen in verschiedenen Lebenslagen benötigen, erforschen, die vorhandenen Ressourcen erkunden und neue Zugangswege verwirklichen. Ehrenamtliche vor Ort sollten Unterstützung beim eigenverantwortlichen Tun erhalten und im Sinne der Verselbstständigung begleitet wer-den. Schließlich sollte das Projekt ausgehend vom Konzept der Sozialraumorientierung die gesellschaftlichen Akteure und ihre Netzwerke vor Ort erkunden.

Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders zeigte sich nach dem Projekt zuversichtlich, dass es auch Früchte tragen werde für die Weiterentwicklung von Caritas und Pastoral im Bistum Aachen. „Möglicherweise gelingt es uns ja auch zusammen, die gewonnenen Erkenntnisse in den synodalen Gesprächsprozess „Heute bei Dir“ im Bistum einzuspeisen, denn Gutes muss nicht noch einmal neu erfunden, wohl aber erneut getan werden“, sagte Schröders weiter.

Margit Umbach, die das Projekt in der GdG Aachen-Kornelimünster/Roetgen begleitete, die auf Gebieten der Städte Aachen und Stolberg und der Gemeinde Roetgen liegt, verglich die Projektphase mit einem Kreisverkehr, von dem viele Straßen abgehen. „Ich habe die Gelegenheit gehabt, in alle Straßen hineinzufahren und den Menschen zuzuhören“, sagte sie. Beispielsweise kehrte sie aus Kornelimünster mit der Idee zurück, vor Ort eine Einkaufsmöglichkeit zu schaffen. Denn die fehlte vor allem für ältere Menschen und solche, die nicht mobil sind. Das Projekt „Caritas der Gemeinde“ vernetzte den Besitzer eines leerstehenden Ladenlokals mit der Alexianer GmbH Köln. So entstand die Idee, in Kornelimüster den inklusiven Dorfladen „Onkel Alex“ zu schaffen. „Onkel Alex“ ist ein NRW-weites Projekt der Alexianer. Dort arbeiten Menschen mit und ohne psychische Einschränkungen. In Kornelimünster soll der inzwischen eröffnete Lebensmittelpunkt „Onkel Alex“ ein Ort der Begegnung für Menschen, Initiativen und Gruppen werden. Pastoralreferent Patrick Wirges zeigte sich nach dem Projekt überzeugt, „da geht noch was“. Für die Caritas der Gemeinde der Zukunft seien ein neuer Ansatz und eine neue Haltung in Kirche und Caritas notwendig.

Dr. Mark Brülls, kommissarischer Leiter des Bereichs Theologische Grundlagen und Verbandsarbeit beim Caritasverband für das Bistum Aachen, sagte, das Projekt habe gezeigt, dass in Kirchgengemeinden spirituelle und materielle Bedürfnisse der Menschen aufgenommen und professionell bearbeitet werden können, wenn dort Seelsorge und Caritas kooperierten. Damit Nächstenliebe für Menschen konkret erfahrbar werde, müsse die Kirche den Grundvollzug der Diakonie stärken. Dieser stehe gleichwertig neben Verkündigung und Liturgie. Kirchengemeinden könnten in ihrem sozialen Engagement den Menschen nahekommen, sowohl denjenigen, denen das Engagement gelte, als auch denjenigen, die sich sozial engagierten. Solches Engagement stärke zudem die Glaubwürdigkeit der Kirche. Das gelinge aber nur, wenn die Kirchengemeinden den sie umgebenden Raum nicht länger auf sich bezögen, sondern den Menschen im Sozialraum Raum geben würden.

Damit Erfahrungen des Projektes auch über die Projektstandorte hinaus greifen können, sind nach Erkenntnissen des Projektes weitere Voraussetzungen zu schaffen. Wie Brülls weiter erläuterte, müsse Caritasarbeit in den Gemeinden finanziert werden. Projektfinanzierung, die irgendwann auslaufe, helfe nicht weiter. Brülls sagte weiter, es brauche Mut in der Kirche, sich für Menschen zu öffnen. Nur dann könne Kirche eine Relevanz für die Menschen haben. Und schließlich sollte überlegt werden, in Kirchengemeinden multiprofessionelle Teams zu installieren, die sowohl auf die spirituellen als auch die materiellen Bedürfnisse der Menschen eingehen könnten.

In der GdG Aachen-Kornelimünster/Roetgen wird Margit Umbach übrigens für weitere zwei Jahre bleiben. Der Kirchengemeindeverband hat sich entschlossen, nach den Erfahrungen aus dem Projekt die Stelle der Sozialwissenschaftlerin bis Ende 2021 zu finanzieren.

Weitere Informationen über das Projekt und seine Erkenntnisse finden sich in einer Broschüre. Diese kann angefordert werden beim Caritasverband für das Bistum Aachen, Theologische Grundlagen und Verbandsarbeit, Kapitelstraße 3, 52066 Aachen oder per Mail unter oeffentlichkeitsarbeit@caritas-ac.de.